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5. Mai 2010

Abu Dhabi

Aufregende Zeiten

Die letzten Wochen waren mit die ereignisreichsten in meinem Rennsportleben. Wir haben bei All inkl.com für die GT1-WM ein neues Team aufgebaut und ich war daran maßgeblich beteiligt. Teamchef René Münnich kenne ich seit vielen Jahren und als er mich ansprach, ob wir gemeinsam ein solches Team aufbauen möchte, habe ich sofort zugesagt. Zwar gab es bereits eine gewisse Infrastruktur aufgrund des vorhandenen, erfolgreichen Rallyecross-Teams, doch für die WM mussten wir in vielen Bereichen bei null beginnen.

Am 1. März war wurde die WM offiziell vorgestellt, gemeinsam mit meinen Teamkollegen standen wir in auf dem Place de la Concorde in Paris. Es war ein imposanter Anblick, alle Teams waren mit einem Auto anwesend, 12 traumhafte GT1-Boliden standen sauber aufgereiht. Und unser Team mit dem Lamborghini mitten drin. Da war ich schon stolz auf das bislang erreichte. Bei der Gelegenheit habe ich auch FIA-Präsident Jean Todt kurz kennengelernt.

Doch zum Freuen blieb wenig Zeit, bereits zehn Tage wurde ein grosser Teil unseres Materials, vieles davon völlig neu, in Rotterdam verschifft, um rechtzeitig zum Saisonauftakt in Abu Dhabi zu sein. Eine gute und sinnvolle Sache, wenn es die Zeit erlaubt, das Material mit dem Schiff zu transportieren. Denn es ist deutlich günstiger als mit dem Flugzeug. Eines der vielen Dinge, über die ich mir früher keine Gedanken gemacht habe, jetzt interessiert es mich in meiner Funktion bei All inkl.com sehr wohl.

Doch Ruhe gab es auch ohne Material keine. Technische Meetings, Personalfragen, Verwaltungsaufgaben, ein Meeting jagte das nächste. Da war ich richtig froh, als wir endlich in Abu Dhabi ankamen, denn schliesslich bin ich immer noch Rennfahrer. Es war ein tolles Gefühl, auf dem märchenhaften Kurs im mittleren Osten erstmals selbst am Steuer des „eigenen“ Rennwagens zu sitzen.

Sportlich allerdings auch sehr ernüchternd. Denn wir waren noch weit weg von der Spitze. Das lag zum Einen an der «Ballance of Performance», wo der abschließende Test erst einen Tag vor dem ersten Training absolvierte wurde und uns nicht gerade beglückt hat. Aber auch die Technik spielte uns noch manchen Streich. Sowohl der Murcielago von mir und meinem Kollegen Thomas Jäger, der in Abu Dhabi Christophe Bouchut vertrat, als auch unser zweiter Lambo mit Nicky Pastorelli und Dominik Schwager kamen nicht in die Punkte.

Dennoch war die Reise an den persischen Golf nicht umsonst. Denn wir haben als Team viel gelernt und wussten, wo wir fürs nächste Rennen in Silverstone ansetzen mussten. Doch erst einmal hieß es, Abu Dhabi wieder verlassen zu können, schließlich gingen wegen der Aschewolke keine Flugzeuge. Am Donnerstag nach dem Rennen konnten wir endlich mit einem von der SRO gecharterten Flugzeug die Heimreise antreten. Das Material wurde ebenfalls zurückgeflogen, so dass wir trotz der knappen Zeit bis Silverstone noch die Wagen für den nächsten Lauf vernünftig vorbereiten konnten.

Und immerhin, wir waren deutlich besser als beim Saisonauftakt. Im Qualifying-Race lag ich schon auf Rang zwölf, leider verlor mein Kollege Bouchut dann nach dem Fahrerwechsel noch einige Plätze. Dass er im Hauptrennen bereits in der zweiten Runde eine Kollision hatte und wir aufgeben mussten, kommt im Rennsport nun mal vor. Doch wir wissen, was geht, die Lamborghini von Reiter haben es angedeutet. Deshalb gehen wir sehr optimistisch ins nächste Rennen nach Brünn.

Doch vorher kommt noch eins meiner persönlichen Saisonhighlights. Die 24 Stunden vom Nürburgring, wo ich wieder einen Audi R8 LMS von Phoenix-Racing steuern werde.. Wie schön es doch ist, einfach nur Fahrer zu sein konnte ich bei den bisherigen VLN-Läufen immer wieder erfahren, wobei ich auch dort so viel wie möglich hinter die Kulissen schaue. Von so einem erfolgreichen Team kann ich schließlich nur lernen, in allen Bereichen. Leider liefen die bisherigen VLN-Läufe im Phoenix-Audi noch nicht optimal. Doch die Probleme sind erkannt und werden bis zum 24h-Rennen gelöst sein. Dann wird es wie im Vorjahr wieder ein Sprintrennen zweimal rund um die Uhr geben., bei dem die Manthey-Truppe erneut favorisiert ist, erst recht nach deren zwei Siegen auf der Nordschleife in diesem Jahr. Doch Mike Rockenfeller, Hans Joachim Stuck, Frank Stippler und ich werden wie die gesamte Phoenix-Crew alles geben, damit es in diesem Jahr einen anderen Sieger beim Eifel-Klassiker geben wird.

Wie es uns bei den 24 Stunden ergangen ist, darüber berichte ich dann beim nächsten Mal.

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